[22.06.98]
Heute sagte eine mir eher unbekannte innere Stimme, ich sollte mich nicht nur um meine jetzigen Gefühle kümmern, sondern auch um meine vergangenen.
Ich weiß noch nicht, was das für mich zur Folge hat, aber ich ahne viel Unannehmlichkeiten.
Eigentlich wollte ich einfach so tun, als hätte ich das nicht gehört, aber da gingen die Schwierigkeiten schon los.
Das wenigste, was ich tun konnte oder mußte - vor mehr konnte ich mich nicht drücken -, war, diese Seite einzurichten. Wenn ich ehrlich bin, war das aufregend genug. Als wenn man vor einer verschlossenen Höhle steht und weiß: wenn man erst mal die Türklinke angefaßt hat, wird man die Tür öffnen, und wenn man sie geöffnet hat, wird man die Höhle trotz aller Warnungen betreten. Na denn ... Aber heute noch nicht!
[23.06.98]
Diese Stimme hat gesagt, sie möchte, daß auch ihre Gefühle gleichwertig behandelt werden.
Gut, sagte ich, du kannst doch in deinen Seiten über alles schreiben ...
Genau das meine ich, sagte sie, irgendwo, ganz hinten in den privaten Seiten, wo nie jemand hinfindet, da darf ich über mich erzählen. Ich möchte es aber hier, genau hier.
Mein Gott, das geht nicht, dachte ich, noch ehe ich merkte, daß ich dachte.
Ja, und ich möchte auch so schöne Farben, ich möchte, daß du dir wegen mir eben solche Mühe gibst, wie für dich selbst.
Da hab ich den Stecker gezogen. Wie sollte ich das verstehen? - Aber ich geben dem Wunsch dieser Stimme nach, denn sie ist ein Teil von mir. Sicherlich einer, von dem ich noch nicht soviel gehört habe. Aber vielleicht habe ich nur nicht genau hingehört ...
Also Links zu den alten Seiten zu machen, reicht nicht. Ich soll wohl alles aus der Sicht dieser Stimme schreiben.
[25.06.98]
Heute habe ich eine weitere Domain beantragt: atWebs.de.
Damit schaffe ich technisch die Voraussetzung, mit meinen privaten Seiten nicht mehr an x-ter Stelle zu stehen:
http://homepages.ber.netsurf.de/Andreas.Thieme/index.htm ...
Mann, das muß man sich ja notieren, um es nicht zu vergessen, wo man steht ... Da braucht man ja Brillengläser so dick wie Mitropa-Aschenbecher, um sich zu sehen ... Soweit hinten zu sein, konnte ich noch nie leiden! Jetzt kann ich es mir leisten, Dank Highspeed-Server, nach vorn zu kommen.
[26.06.96]
Ich bin umgezogen - ja Anmelden und am nächsten Werktag umziehen! Noch ist atWebs eine Reihe von Zahlen, aber so lange braucht's bei der DENIC nicht.
Dabei soll es nicht bleiben - ich werde meine Lebensstationen neu schreiben.
[29.06.98]
Ich ergänze Lebensstationen. Gestern habe ich über die Verantwortung meiner Mutter am Tod meines Vaters geschrieben. Dazu hatte ich mich noch nicht schriftlich geäußert. Heute wollte ich über die Gründe reden, die mich Offizier der NVA haben werden lassen. Also über meine Verantwortung. Aber ich habe es noch nicht geschafft. Bei der NVA fing ich mit dem Trinken an. Bis zu meinem 19/20 Lebensjahr trankt ich nicht, einige Partys ausgenommen, wie Abschluß Lehre ... Vermutlich wäre meine Leben anders verlaufen, wenn ich nicht zur NVA gegangen wäre. Aber ich hatte triftige Gründe, diesen Weg zu wählen ...
[30.06.98]
Heute bin ich keine Nummer mehr, sondern atWebs.de. Highspeed-Server hat seinen Namen wieder alle Ehre gemacht.
[06.09.98]
In "atWebs und KopfDemokratie werden eins" schrieb ich am 20.08.98, daß ich atWebs beantragte, um meinem privaten Leben einen gleichwertigen Raum wie meinem beruflichen zu schaffen.
Leider hat das Vorhaben verselbständigt: scheinbar habe ich meine kopfdemokratische Sicht auf die atwebsche übertragen. Damit habe ich mein privates Leben am beruflichen orientiert, ihm aber in dem Sinne keinen gleichwertigen, sondern nur einen gleich aussehenden gegeben.
Deshalb fiel es mir leicht, dem Projekt Sonnensegel zuzustimmen, indem es eben gerade darum geht, den "inoffiziellen" Gesichtern eine Bühne zur Darstellung zu stellen. Für die fürsorgliche Hausfrau vielleicht ein Forum zum Präsentieren ihres analytischen Geistes, für den Student der Mathematik ... Sie wissen, was ich meine. Die Kernperson überschattet ja die am Rand lebenden, deren Wohlbefinden allerdings ebenso wichtig ist. Sicherlich brauchen Randpersonen nicht die gleiche Zuwendung wie die bestimmenden. Aber werden sie ignoriert, entsteht ein Ungleichgewicht, das sich auch negativ auf die Kernperson auswirkt.
Oh, das hätte ich vielleicht lieber bei KopfDemokratie schreiben sollen ... Wie gesagt, diese Teile sind zusammengewachsen. Jetzt gilt es die Aufgabe zu erfüllen, die mir die Stimme im Traum einer friedlichen Welt gestellt hat: meinen bisher durch mich versteckten und ignorierten Seelenbestandteilen Rahm zu ihrer Entfaltung bereitzustellen.
Vielleicht entwickelt sich aber das auch anders: ich vermute, was ich bisher als Kern angesehen habe, sollte ich eher als einseitiges Betonen einzelner Eigenschaften bezeichnen. Überbetonung, um Vernachlässigungen zu überschatten. Ein Genie im gegenständlichen Chaos, weil es den Verlust der mütterlichen Fürsorge nicht verwunden hat. Der Mutter als Quelle und Hafen. Weil es vielleicht glaubt, es würde endlich das bekommen, was es ihm zu fehlen glaubt, Hilfe bei den Sorgen des Lebens. Weil es nicht einsehen will, daß es sich nur selbst helfen kann. Erwachsen werden - das Zauberwort. Schmerz verkraften - die Entsprechung.
Mich meine ich nicht. Ich bin kein Genie.
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