01, 02, 03, 08, 09, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 23, 28, 29
[01.06.07, fr, 19:30]
Wieder ist eine sehr schöne Busfahr-Woche zu Ende.
[02.06.07, sa, 19:30]
Peter Gabrial's neue Musik gefällt mir sehr.
Sie regt mich an, wieder eigene Musik zu machen, ohne sie zu kopieren, sondern die Ideen meiner Musik besser umzusetzen. Außerdem mehr mit meiner Stimme zu arbeiten.
[03.06.07, so, 19:30]
Nichts davon hab ich jedoch getan, sondern gewartet, daß Montag wird und ich wieder Bus fahre.
Bus zu fahren ist zur Zeit mein Lieblingsmedium, mich auszudrücken und gleichzeitig Eindrücke zu sammeln.
[08.06.07, fr, 4:15]
Als ich mit meiner EC-Karte in der Sparkasse Nansenstraße Geld am Automaten holen will, ziehe ich die leere Hülle auf meinem Portemonnaie.
Was tun? - 4 Uhr 36 beginnt meine erste Runde mit dem Bus.
[4:25]
Habe die Karte sperren lassen, obwohl ich nicht an Diebstahl oder mißbräuchliche Nutzung glaube, denn bis gestern abend war auf meinem Konto nichts passiert, was mich erschreckt hat.
Das letztemal nutzte ich meine Karte am Mittwoch gegen 17 Uhr bei Lidl in Ludwigsfelde, als ich dort mit dem Bus pausierte.
Vielleicht war mir die Karte aus der Hand geglitten, als ich mit Karte, Kartenhülle, Kassenzettel und Portemonnaie in einer Hand mit der anderen den Einkaufswagen hinausschob.
[9:15]
Ich war in meiner Sparkasse und habe die Karte länger als die Notsperrung (drei Tage) sperren lassen und eine neue beantragt.
Erst nach Schließung der Sparkasse kann ich heute in Ludwigsfelde fragen, ob meine Karte gefunden und abgegeben wurde.
Falls nicht, muß ich nochmal notsperren und dann am Montag wieder zur Sparkasse.
[17:10]
Habe meine EC-Karte wieder.
Allerdings nutzt mir das nichts, weil ich die alte habe entgültig sperren lassen.
Was war geschehen? Am Mittwoch übergab ich der Kassiererin meine EC-Karte, damit sie sie in den Kartenleser steckt, aber sie gab mir die Karte nicht zurück.
Irgendwann wird aufgefallen sein, daß meine Karte noch im Leser steckt, aber da war ich schon lange wieder unterwegs.
Draußen hab ich dann die leere Hülle in Portemonnaie gesteckt, weil ich die Karte immer noch direckt an der Kasse in die Hülle stecke. Falsche Programmierung meinerseits, daß ich nicht draußen noch mal sah, ob die Karte auch in der Hülle steckt.
Warum man nicht bei der Sparkasse anrief, um mitzuteilen, daß meine EC-Karte ... um unangenehme Frage zu entgehen?
[09.06.07, sa, 4:00]
Ich stehe auf.
Eigentlich könnte ich noch länger schlafen, aber eine Stunde länger als an den Wochentagen reicht.
[5:40]
Ich lasse den Motor an und fülle die Druckluftbehälter für Bremsen, Luftfederung, Türenbewegung und Fahrersitzfederung.
[5:56]
Auf gehts zur ersten Runde nach Golm.
[9:50]
Bin aus Ferch und Caputh zurück. Diese Runde fahre ich immer sehr gern.
Nicht nur, weil ich von der anderen Seite des Flusses das Haus sehen würde, in dem ich wohne, wenn es so groß wie das wenige Meter entfernte Hochhaus wäre, sondern auch weil ich die sehr idyllische Strecke früher oft mit meinen Autos gefahren bin und genossen habe.
[15:45]
Bin aus Golm zurück. War die letzte Runde. Fahre nun zum Tanken und in die Werkstatt - die Frontscheibe ist gesprungen.
[16:20]
Ich stelle den Motor ab, räume auf, säußere und sage tschüß.
Seit dreizigsten April bin ich mit dem Bus jeden Werktag und einige Samstage gefahren - insgesamt rund 6.400 Kilometer.
[17:45]
Ich bin zu Hause.
[18:45]
Hab abgerechnet, um mein Geld von dem des Busunternehmes zu trennen.
Das hört sich leichter an, als es getan ist, habe ich doch viele Euro in Hartgeld.
[19:00]
Draußen sind es 29 Grad Celsius - im Schatten.
Wie heiß es heute den ganzen Tag im Bus war, will ich gar nicht wissen. Ich hätte ja eins meiner Thermometer mitnehmen können, habe es aber ganz bewußt nicht getan.
Auf alle Fälle war es so heiß, daß die Frontscheibe sich verspannte und spang. Ein Schlosser nannte es Spannungssprung, also einen Sprung ohne Schlageinwirkung.
[19:30]
Ich bin zu müde und gehe ins Bett.
[10.06.07, so, 4:05]
Hab rund achteinhalb Stunden geschlafen, weiß nicht so recht, welcher Tag heute ist: hab ich verschlafen?
Nein, heute ist Sonntag, und die nächsten Tage werde ich auch zu Hause bleiben.
Müssen? Dürfen? Jetzt ist es noch "dürfen", weil ich zu erschöpft bin, um mir einen weiteren Arbeitstag im Backofen-Bus vorstellen zu können.
[13:00]
Jetzt freue ich mich schon auf die nächste Busfahrt und bedaure, daß ich die nächsten Tage nicht Busfahrer werde sein dürfen.
[11.06.07, mo, 2 Uhr 30]
Toll, daß ich ohne geweckt worden zu sein, aufgewacht bin. Allerdings fahre ich heute nicht Bus und kann schlafen, schlafen, schlafen.
Obwohl ich gestern länger hätte aufbleiben können, bin ich - wie schon am Samstag - 19 Uhr 30 ins Bett, weil ich einfach zu müde war.
Außerdem: was soll ich abends tun, was ich nicht auch tags kann?
[10:10]
Bin von Lauf 436 zurück.
Außerdem hab ich die Sperrung meiner EC-Karte aufheben lassen und den Kartenneuantrag zurückgenommen.
Wollte man eigentlich nicht machen, weil man dafür bereits am Freitag zehn Euro abgebucht hatte, hat es aber dann doch getan.
Immerhin war es schon eigenartig, daß eine Kartensperrung Montag früh 4 Uhr 30 zu Ende sein sollte, wenn sie Freitag früh 4 Uhr 30 beantragt wurde.
[10:50]
Davon abgesehen, ich rief nicht die Not-Sperrung an (116 116), sondern den Zentralen Sperrenannahmedienst (01805 0 21 21), bei dem man mir nicht sagte, meine Karte werde nur drei Tage gesperrt.
Die Frau hinter dem Schalter redete mir nur ein, ich hätte bei der Not-Sperrung angerufen, weswegen ich dann am Freitag meine Karten sperren ließ und eine neue beantragte. Wenn sie nicht mit den drei Tagen zu je 24 Stunden gekommen wäre, hätte ich mein Nachfragen bei Lidl in Ludwigsfelde abgewartet.
Ich hoffe, die Sparkasse überweist wir die zehn Euro zurück, die sie sich durch die dreiste Mitarbeiterin erschlichen hat.
[16:30]
Wollte wieder zu meiner Ärztin gehen, aber sie macht Urlaub bis 30. Juni.
[12.06.07, di, 17:00]
Da das Unternehmen, in dem ich ab ersten April Busfahr-Praktikum gemacht habe, keine Arbeit mehr für mich hat, habe ich mit einem anderen Unternehmen verhandelt.
Wenn ich zu Hause bleibe und meine Arbeitskräft ungenutzt bleibt, ist niemandem geholfen.
[18:00]
Eigentlich bin ich weder untreu noch ungeduldig in einer Beziehung, aber ich bin fast fünfzig und hab keine Zeit, denn bald gehe ich in Rente.
Falls ich denn überhaupt noch einmal eine feste Anstellung erhalte.
[13.06.07, mi, 18:00]
Am Montag werde ich mein zweite Busfahr-Praktikum beginnen.
Heute bin auf der Linie Potsdam-Teltow mitgefahren, um den Streckenverlauf kennenzulernen.
Überrascht hat mich die Arbeitszeit des Kollegen: 5 Uhr hat sein Dienst begonnen (gegen 4 Uhr ist er aufgestanden), 13 Uhr 30 wird sein Deinst zu Ende sein, und spätestens 14 Uhr 15 wird er wieder zu Hause sein.
Ich dagegen brach 14 Uhr 35 zu einer Runden Tremsdorf und einer Runde Ludwigsfelde auf, stellt den Motor 18 Uhr 30 ab und war gegen 19 Uhr zu Hause, dabei begann mein Dienst kurz nach 4 Uhr (3 Uhr stand ich auf).
Daß ich von 9 bis 12 Uhr Pause hatte, verkürzte meine Arbeitszeit nicht wirklich, denn nicht selten war ich in der Werkstatt, habe getankt, den Bus in die Waschanlage gefahren, die Einnahmen abgerechnet oder beim Chef im Büro.
Also in meinem ersten Praktikum hatte ich Dienst wie die Stammfahrer von 4 Uhr bis 18 Uhr 30.
Ich fuhr Leute zur Arbeit und auch wieder nach Hause, und nicht selten stöhnten sie über ihre lange Arbeitszeit, während ich, bevor ich sie zur Arbeit fuhr, schon eine Runde gefahren war, und, nachdem ich sie nach Hause gebracht hatte, noch eine Runde zu fahren hatte.
Morgen werde ich auf der Linie Potsdam-Spandau mitfahren. Vielleicht auch Potsdam-Werder, wobei ich die Strecke schon ganz gut kenne.
Am meisten freu ich mich aber darauf, einen Gelenkbus zu fahren. Der ist immerhin 18 Meter lang!
[14.06.07, do, 13:00]
Heute morgen bin ich auf der Buslinie Potsdam-Spandau mitgefahren.
Morgen werde ich auf dem Betriebhof eine Einweisung in einen Gelenkbus bekommen und probefahren.
Am Montag werde ich die Linie Potsdam-Golm in einem Gelenkbus fahren, begleitet durch den Kollegen, der den Dienst eigentlich fahren sollte.
Ab Dienstag kann er endlich Überstunden abbauen, und ich werde allein fahren.
Etwas sorge ich mich, wie ich mit dem Gelenkbus um die Kuven in Golm komme.
[16:00]
Ich breche noch einmal auf und werde die Linie, die ich am Montag fahren werde, in einem Gelenkbus mitfahren und beobachten, wie der Fahrer den langen Bus um die Kurve steuert.
[15.06.07, fr, 13:00]
Heute bin ich das erstemal einen Gelenkbus selbst gefahren.
War ein neuer Bus mit Klimaanlage. Deshalb hatte ich mehr mit dem Bus an sich zu tun, konnte mich gar nicht richtig auf die Länge des Busses konzentrieren.
Fährt sich gut. Bin leider nur zehn Kilometer gefahren, aber durch mehrere schmale Straßen und scharfe Kurven, so daß ich für Montag, wenn ich einen Schlenki auf der Linie Potsdam-Golm fahren werde, zu versichtlich bin.
Außerdem hab ich meine Betriebfahrerlaubnis erhalten.
[16.06.07, sa, 21:00]
Heute habe ich das erstemal eine Reise-Busfahrt (im Gegensatz zu Linie-Busfahrt) gemacht.
Waren nicht viele Kilometer - war mehr ein Hin- und Zurückfahren als eine Reise -, bin aber jetzt erst wieder zu Hause, obwohl ich bereits 10 Uhr 30 aufgebrochen.
[17.06.07, so, 19:00]
Bin noch einmal mit dem Bus nach Spandau gefahren, um die Linienführung kennenzulernen.
In Spandau hatte ich genügend Zeit, um die Altstadt anzusehen. Sehr schön.
Wollte heute fast ein zweitesmal nach Spandau fahren, um Fotos zu machen. Fahrkarte war bezahlt, weil ich am Morgen eine Tageskarte Berlin ABC gekauft hatte. Bin aber zu Hause geblieben, um mich auszuruhen und auf morgen zu konzentrieren.
Morgen werde ich auf der Linie Potsdam-Golm einen Gelenkbus fahren.
[18.06.07, mo, 18:00]
Heute bin ich das erstemal einen Gelenkbus auf Linie gefahren.
Die ersten beiden Runden Potsdam-Golm begleitete mich ein Kollege, die nächste drei fuhr ich allein.
War nicht leicht, aber toll.
Außerdem ist heute meine Betriebskleidung angekommen.
[23.06.07, sa, 10:00]
Seit Mittwoch dämmert mir, daß mein über 40 Jahre verschüttete Kindheitstraum nicht der Berufswunsch Busfahrer zu sein scheint, sondern ich damals in dem Busfahrer, mit dem ich mehrmals mitfuhr, eher einen Typ Mann sah, den ich mir Ersatz meines verstorbenen Vaters wünschte.
Diesen Mann versuchte ich in meinem ersten Praktikum wiederauferstehen zu lassen, um meinem Seelenteil die Kleinen endlich den Verlustschmerz wegen des verlorenen und nie ersetzten Vaters zu nehmen und ihnen endlich zu geben, wonach sie sich unendlich lange sehnte.
Wenn ich nach dem anstrengenden Dienst nach Hause ging, strahlten meine Kleinen immer wieder, weil es für sie war, als würden sie jetzt den gewünschten Vater haben.
Nachdem ich mein zweites Praktikum angefangen habe, erlaubt es mir die Dienstorganisation nicht mehr, der Busfahrer von damals zu sein, weil ich nach wenigen Tagen eine andere Strecke fahre, andere Menschen befördere und somit das fast familiäre Verhältnis zu ihnen nicht mehr möglich ist. Plötzlich erschöpft mich ein nur halb so langer Dienst im Praktikum 2 mehr ein sehr langer im Praktikum 1, plötzlich haben meine Kleinen nicht mehr ihren Spaß, und ich sagte schon nach drei Tagen, so macht mir das keinen Spaß, obwohl ich zuvor fünf Wochen alle Strapazen als Weg zum Glück sah und sehr traurig war, als es diesen Dienst nicht mehr für mich gab.
Von Montag bis Freitag fuhr ich also zwischen Hauptbahnhof Potsdam und Bahnhof Golm, hetzte durch die Stadt, um den Fahrplan einzuhalten, wurde von blitzenden Polizisten gejagt und verlor den Vater wieder, den ich eben geschaffen hatte.
Jetzt bin ich nicht mehr Retter eines kleinen Jungen, sondern Bediener einer großen fahrenden Maschine, die Menschen transportiert.
Und meine Kleinen erkennen allmählich: es war ein schöner Traum, aber nur ein Traum, und nie mehr werden sie den so sehr gewünschten Vater haben, es sei denn, sie oder ich sind selbst ihr oder mein Vater.
Braucht ein fast 50jähriger Mann wirklich noch einen Vater? Wenn er keinen gehabt hat, kann es sein, er sucht bis zu seinem Lebensende nach ihm.
[28.06.07, do, 9:00]
Gestern hab ich nicht nur mein nachträgliches Schaffen einer glücklichen Kindheit vom Busfahren getrennt, sondern bin auch das erstemal selbst mit dem Bus nach Spandau gefahren.
Die Strecke ist sehr schön, enthält Stadt- und Landfahrten, quält sich durch Potsdamer und Berliner Stadtverkehr, gleitet aber auch über schöne Landstraßen, die Felder passieren, Wälder durchfahren und Blicke auf schöne Seen und Flüsse bieten.
So hätte ich gestern wieder einmal ein so schöne Fahrt wie ich sie bisher nur während meines ersten Praktikums hatte.
[29.06.07, fr, 9:30]
Gestern hat mich mein Bruder gesucht und sehr schöne Fotos von mir und dem Bus, den ich gefahren habe, gemacht.