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Seelenteile

Ein Beispiel, wann meine Seelenteil sich bemerkbar machten

[21.09.01]

Seit Dienstag, 18.09.01, fühle ich mich psychisch unwohl, kann aber nicht sagen, warum.

Ich werde jetzt umreißen, was am Dienstag geschah und versuche herauszufinden, was mich so verwirrte und meine Seelenteile sich melden ließ.

 

Am Dienstag war ich wieder auf einem Amt und gab ein gewünschtes Schreiben ab.

Leider entsprach es doch nicht den Wünschen der Bearbeiterin, obwohl ich genau das erbracht hatte, was mir aufgetragen wurde.

Ich stellte sie zur Rede, denn ich wollte nicht noch mal zwischen den Ämtern hin und her sausen, jedes Mal warten, bis ich dran war, bis ich bearbeitet wurde, bis ich zum nächsten Amt gehen konnte, wo das Spiel von vorn begann.

Ich verstand aber nicht, was sie von mir wollte, was ich ihr noch nicht gegeben hatte. Sie wand sich verbal, wollte nicht zugeben, daß sie nicht genau gesagt hatte, was sie brauchte, um meinen Antrag bearbeiten zu können. Vielleicht wußte sie es auch nicht genau, was ich mir vorstellen kann, denn mein Fall gestaltet sich kompliziert.

Ich bat sie, bei der Bearbeiterin, die das Schriftstück erstellt hatte, anzurufen.

Sie landete bei der Zentrale, weil sie nicht die Nummer der Bearbeiterin eingab, sondern nur die Nummer des Amtes eingegeben hatte. Man solle doch der Bearbeiterin einen Zettel hinlegen, damit sie zurückrufen würde.

Ich versuchte weiterhin herauszufinden, wie das Schriftstück beschaffen sein mußte, hatte aber nach einige Zeit den Eindruck, daß die Bearbeiterin sich nicht festlegen lassen wollte.

Ich sagte: "Rufen Sie bitte noch einmal an, sie wird nicht zurückrufen, Sie wissen ja wie das ist, da verschwinden Zettel usw. Rufen Sie bitte noch einmal an, dann gehe ich."

Sie rief an, bekam die Bearbeiterin sofort und sprach mit ihr. Ich verstand nicht, was die Gegenseite sprach.

Nach einigen Minuten legte die Bearbeiterin auf und sagte: "Ist alles in Ordnung, ich mache eine Aktennotiz, damit hat sich das dann erlegt."

 

Als ich nach Hause fuhr, fiel mir ein, daß ich einen ähnlichen Fall schon einmal erlebt hatte.

Ich hatte mich bei der Zentralen Vergabestelle für Studiumsplätze für mein Psychologiestudium beworben.

Ewig bekam ich keine Antwort, daß mein Antrag angekommen ist und bearbeitet wird. Irgendwann kann ein Brief, ich müßte das und das nachliefern, damit der Vorgang bearbeitet werden kann.

Die Zeit bis zum Termin war sehr knapp, ich vermutete, ich würde länger brauchen, um die Unterlagen aufzutreiben, falls das möglich war, und noch bis zum Abgabetermin abzuschicken.

Ich rief beim Sachbearbeiter an und sagte, ich wisse nicht, ob ich ihn richtig verstanden hätte, denn das und das zu besorgen sei sehr schwierig, ob es denn eine andere Möglichkeit gäbe, zumal es ohnehin sehr schwierig würde, alles bis zum Abgabetermin zu ihm zu schicken.

Er sagte: "Nein, das ist nicht nötig, ich werde den Vorgang bearbeiten."

Ich verstand nicht und fragte nach, aber er wiederholte, er würde den Vorgang bearbeiten, ich brauchte nichts mehr beizubringen.

 

Ich weiß nicht, ob ich richtigliege, aber ich fand damals nur eine Erklärung: Der Bearbeiter wollte mich nicht als Student haben.

Wenn ich die Unterlagen beschafft und abgeschickt hätte, wären sie nicht zum geforderten Termin angekommen. Damit hätten sie leider nicht bearbeitet werden können und ich hätte einen neuen Antrag im nächsten Jahr stellen müssen.

 

Daran erinnerte ich mich am Dienstag, als plötzlich mein Antrag bearbeitet werden konnte.

Am nächsten Morgen wachte ich mit einem schlechten Gefühl auf. Plötzlich meldete sich ein Seelenteil und sagte, ich müsse unbedingt eine kleine mechanische Reiseschreibmaschine kaufen, damit wir nächstes Jahr nach Norwegen in Urlaub fahren können, aber nicht wieder mit der Hand Notizen fertigen müssen.

Ich sah also im Netz nach, ob es solche Teile noch zu kaufen gab. Vergeblich. Außer bei Versteigerungen.

Ich hatte aber keine Lust, mich auf eine Versteigerung einzulassen. Im Grunde sah ich gar nicht ein, warum wir nicht ohne solche ein Teil nach Norwegen fahren können. Zumal gar nicht sicher war, ob wir überhaupt fahren. Und wenn doch, könnten wir die kleine mechanische Reiseschreibmaschine meiner Mutter mitnehmen.

Nein, das geht auf keinen Fall, weil sie zu schwer ist. Wir brauchen ein kleinere.

Ein anderer Seelenteil sagte, er würde auch ohne Schreibmaschine mit nach Norwegen fahren. Er fände es übertrieben, was der da fordere.

Du mußt ja nicht schreiben, dir kann das egal sein ...

Nein, ich schreibe auch mit der Hand oder mit Muttis Maschine - falls wir denn überhaupt fahren.

... So ging das noch einige Zeit hin und her. Es meldeten sich nicht nur zwei Seelenteile, sondern mehrere, wobei jeder eine andere Position vertrat. Nicht, ob oder ob nicht wir eine solche Maschine jetzt brauchten, sondern auch warum, was es im Grunde bedeutet.

Ich habe irgendwann aufgegeben. Faßte aber nicht den Mut, den "Anführer" zu fragen, warum er so hartnäckig war. Ich ahnte etwas, und daran wollte ich nicht denken.

 

Vermutlich hatte ich zum Teil Angst, daß ich mich sehr verändern würde, wenn ich mich immer so durchsetzen würde. Einige meiner Seelenteile, die seit meiner Kindheit in mir sind, würde nicht mehr nötig sein. Sie würden sterben und damit ein Teil von mir.

Meine Vielschichtigkeit würde sich verringern. Einige meiner inneren Personen würden mich verlassen. Damit würden mein Gesamtsystem instabil werden.

Aber das ist es nicht, was der Hartnäckige will.

Er will, daß endlich die Schmerzen ausgesprochen, herausgelassen werden.

Im Grunde geht es um eine Umwandlung, die erst nach eine Erlösung von den Leiden, die weit in meine Vergangenheit zurückreichen, möglich ist.

Der Hartnäckige hat die Aufgabe, meine Gesundung voranzutreiben, wenn ich wieder einmal denke, ich werde gesund allein dann schon gesund sein, wenn mein jetziges Leben besser geworden ist. Leider verheilen die alten Wunden nicht automatisch, falls sie denn überhaupt jemals vollständig heilen können.

 

Am Mittwoch habe ich übrigens eine kleine mechanische Reiseschreibmaschine geschenkt begommen. Natürlich war das Problem damit nicht geklärt, weil es ja nicht um die Maschine an sich ging.

Die Maschine scheint als Symbol gestanden zu haben: sie dich als Ganzes mit Wurzeln nicht nur in der Gegenwart, sondern auch stark in der Vergangenheit, die bis in die Zukunft reichen.

Das mag von weit hergeholt zu sein. Ich versuche eine Erklärung:

Norwegen ist ein Ort, an dem ich ohne meine Kleinen bin. Denen ist es dort zu unheimlich. Ich lasse also die Kinder zu Hause, wenn ich nach Norwegen in den Urlaub fahre.

Seit vielen Jahren ist Schreiben für mich auch immer, mich zu öffnen, zu finden. Allerdings schmerzt mir nach kurzer handschriftlichen Zeit die Hand, wenn ich nicht in meiner "Doktorschrift" schreibe.

Die kann ich aber kurz nach dem Schreiben entziffern, um sie dann mit Maschine zu übertragen. Eine kleine mechanische Schreibmaschine mit nach Norwegen zu nehmen scheint demnach zu bedeuten, daß ich meine Kleinen beim nächsten Mal mit in den Norden nehmen soll, um auch ihnen zu ermöglichen, in dieser urwüchsigen, rauhen Landschaft ihren dunkelsten und schmerzlichsten Räume zu öffnen.

 

Heute meldetet sich ein andere Seelenteil. Dieser wollte unbedingt den neuen Roman von Umberto Eco "Baudolino" für die verträumten Kleinen, die Ecos Bücher sehr gern lesen.

Ein andere Teil wollte ein neues Psychologiebuch.

Ich verstand erst nicht, warum, weil ich doch alles, was ich für die nächsten Semester brauche, habe.

Nachdem ich einige Zeit im Buchladen suchte, fand ich "Irren ist menschlich".

Klaus Dörner und Ursula Plog bringen in ihr Lehrbuch für Psychiatrie und Psychotherapie sehr viel praktische Erfahrung ein und vertreten Positionen, die mir sehr naheliegen. Das Buch stellt somit einen starken Kontrast und Ausgleich zu dem dar, mit dem ich mich in der nächsten Zeit an der Uni werde geschäftigen müssen.

 

[02.10.01]

Eine Möglichkeit, mich auszuleben, ohne "auffällig" zu sein, wäre das Schreiben. Nicht in meiner Homepage, sondern eine Geschichte oder einen Roman. Ich brauchte die Personen nicht zu erfinden, ich materialisiere die, die bereits in mir sind und sich freuen, endlich "selbständig" zu sein.


Seelenteile - Warum ich immer wieder gern Produkte teste

[02.10.01]

... hier bin ich nicht weiter gekommen ...

 

[11.10.01]

Im Grunde geht es immer wieder um das gleiche: ich lote meine Selle aus.

Wenn ich zum Beispiel mehrere Naßrasierer und verschiedene Rasiercremes kaufe, dann ist das vergleichbar mit der Kleidung, die man nach Stimmung verschieden wählt.