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Rechtschreibreform – was Heyse wollte und wie man schreiben sollte.

[07.07.07, sa, 14:20]

Falls ich Heyse (Johann Christian August Heyse und Sohn) richtig verstanden habe, fanden sie es verwirrend, daß das Eszett nicht nur als scharfes s, sondern auch im Auslaut, wo eigentlich ss stehen müßte, verwendet wird.

So wird für verschiedene Aussprachen ein Buchstabe verwendet: außerdem, bloß, entblößen, läßt, muß.

Bei außerdem, bloß und entblößen steht das ß für ein scharfes s.

Bei läßt und muß steht ß für ss, wird jedoch am Wortende auch langes s und kurzes s geschrieben.

Heyse schlägt für langes s und kurzes s am Wortende einen Verbund von langen und kurzen s vor, der fast aussieht wie ein ß.


Dieser Buchstabenverbund hat sich jedoch nicht durchgesetzt. Ganz davon abgesehen: heute schreibt man ohnehin nicht mehr in Fraktur und diese feine Unterscheidung ist nicht mehr möglich.

Was Heyse damals kritisierte – ein Buchstaben für verschiedene Aussprechen – hat man heute wieder geschaffen, weil man Heyse auf Antiqua-Schriften anwendet, in der man langes und kurzes s nicht unterscheidet und keine Buchstabenverbünde mehr hat, sondern nur ß oder ss.

Nach den neuen Rechtschreibregeln schreibt man heute also außerdem, bloß, entblößen, lässt, muss. Damit richtet sich ß oder ss einmal nach der Aussprache des s-Lautes, einmal nach der Betonung des vorheriges Lautes.


Die entscheidende Veränderung scheint mir jedoch, daß man beim Sprechen nicht mehr deutlich das scharfe s hervorhebt und oft auch nicht schreibt. Und damit irgendwie wieder im Mittelalter ist, als es noch kein ß gab.

So schrieb man nicht "weiß", sondern "weis", nicht "bloßen", sondern "blossen", nicht "verheißen", sondern "verheissen", nicht "größer", sondern "grösser", nicht "muß", sondern "mus", nicht "mußten", sondern "musten", nicht "daß", sondern "das".


Warum kann man dann nicht statt "ich weiß, daß ich muß" einfach nur "ich weis das ich mus" schreiben?

Oder statt "ich weiß, daß du mußt" einfach nur "ich weis das du must"?


Die Unterscheidung daß/das ist ja nur akademischer Natur, kann also im normalen Schriftgebrauch fallengelassen werden, und ob ich must oder mußt (oder musst) schreiben, ebenso.

Zur Analyse des Sprachgebrauches sollte man nicht Zeitungen und andere Veröffentlichungen auswerten, sondern hauptsächlich, wie das Volk schreibt, denn die Schreibung in Zeitungen, Büchern, im Fernsehen usw. wird von wenigen bestimmt, die dazu privat eventuell anders schreiben.


Wie hat das Volk VOR dem staatlichen Eingriff der Rechtschreibreformer geschrieben?


Wie unterscheidet man dann "du weist" und "du weißt"? Im Zusammenhang: "du weist auf die Tür" [du weist auf die Tür hin] oder "du weißt die Tür" [du streichst die Tür weiß].

Wie unterscheidet man "Weisheit" und "Weißheit"? Keine Ahnung. Mir fällt kein Beispiel ein.


Lassen, läßt/lässt, ließ – warum nicht: lassen, läst, lies?

Wissen, wißt, wußte, weiß – warum nicht: wissen, wist, wuste, weis?

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