Heute (3. September 2000) erst kann ich es aussprechen: Ich sehe eine deutliche Mitschuld meiner Mutter am frühen Tod meines Vater! Weil sie das wohl nie so gesehen hat, blieb sie, wie sie immer war, nur wählte sie als nächsten Mann einen, der nicht trank, aber ansonsten eine schlechte Wahl war.
Am meisten behindert hat mich in meiner Entwicklung Heinz' wohl unbewußte Erwartung, seine Söhnen sollten nie besser sein als er, was für mich bereits nicht mehr als Dreizehnjähriger zu erfüllen war. Außer ich unterdrückte meine Fähigkeiten, schraubte mich auf das Niveau eines Idioten herunter. Heinz war damals sehr jähzornig, duldete keine Verstöße gegen dieses unausgesprochene, durch seine Neurosen fundamentierte Familiegesetz. Jedem, der handwerklich oder intellektuell besser war als er, mißtraute er, sah und behandelte ihn als poteniellen Feind. Natürlich habe ich mich angepaßt, erhoffte ich doch in Heinz einen Verbündeten gegen meiner Mutter, mit der ich bis zu meinem zehnten Lebensjahr allein gelebt habe, was nicht einfach war, weil ich vieles für sie sein sollte, was sich widersprach: Sohn und Tochter, Sohn und Mann, Tochter und Freundin ... Was ich sein wollte, hat sie, glaube ich, nie interssiert. Ja, Mutti, das muß ich dir so sagen, und ich wünschte von ganzen Herzen, das ich etwas anderes sagen könnte. Aber, bei Gott, du hast immer nur an dich gedacht, hast mich zu deinem Aushängeschild gemacht, zum Ersatz deiner geplatzen Träume. Natürlich nur, weil du mich so lieb gehabt hast, weil es das beste für mich gewesen ist, nicht wahr. Jahrzehnte später stehe ich immer noch vor den Scherben meines Lebens, suche, wie und wo sie zusammenpassen könnten, damit ich endlich zur Ruhe komme und endlich MEIN Leben leben kann.