[26.09.05, mo, 18:10]
Ich lese jeden Tag viel und gern.
Allerdings selten Erzählungen und Romane, sondern fast immer informative Lektüre, um meinen Wissensdurst zu stillen.
Als Kind hatte ich viele Bücher, auch einige zum Nachschlagen. Mit denen verbrachte ich viel Zeit, manchmal mehr als mit Freunden, weil mir das Rumziehen mit ihnen oft zu langweilig war.
War ich mit anderen Spielen, passierte ja irgendwie immer das gleiche. Die anderen waren wohl froh, nicht allein zu sein oder unter ihresgleichen, aber mir war das zu wenig.
Nicht so mit meinen Büchern. Aus ihnen erfuhr ich alles, was ich wissen wollte, um es dann bei meinen Exkursionen zu "bestätigen".
Heute habe ich zwar noch immer viele Bücher, auch Lexika, aber den Vergleich mit der Füllen an Informationen, die das Internet bietet, können sie nicht standhalten.
Müssen sie aber auch nicht, denn was ich kostenlos im WWW finde, brauche ich ja nicht noch einmal zu Hause.
So habe ich heute meist Bücher, deren Inhalte nicht oder sehr schwer online auszuspüren sind.
Zum Beispiel Bedienungsanleitungen von Fotoapparaten oder Bibelübersetzungen, die nicht mehr verlegt werden.
Schöne Mischung, nicht wahr?
Ich bin ja kein Sammler, ich brauche eben nur das, was mich interessiert, damit mein innerer Kosmos immer weiter wachsen und vollständiger werden kann.
[29.09.05, do, 18:20]
Neulich habe ich in einem Mittelalter-Roman gelesen, der sich als Übersetzung eines Tagebuches gibt.
Immer mal wieder einige Seiten irgendwo aus dem Buch haben mich sehr begeistert. Deshalb wollte ich mehr lesen.
Aber nach mehreren zusammenhängenden Seiten - ich las wohl sehr vertieft über eine Stunde - dachte ich an einer Stelle plötzlich: "Das ist keine Tagebuch, das hat sich der Autor ausgedacht!", las aber weiter.
Aber einige Seiten später fühte ich aber: "Das ist ja immer dasselbe. Weitere mehrere hundert Seiten muß ich das nicht haben", und legte das Buch zur Seite.
Seitdem hab ich auch keine einzige Seiten mehr gelesen in den Buch gelesen.
Das letzte Buch, das ich von vorn bis hinter gelesen habe, ist Peter Lourie "Schweiß der Sonne, Tränen des Mondes".
Aber ich sehe eben: das war 1995!
Halt! Mir fällt eben ein, J. M. Coetzee "Warten auf die Barbaren" habe ich auch ganz gelesen, nachdem der Autor den Nobelpreis für Literatur 2003 bekommen hat.
An das Buch und seine Handlung kann ich mich auch noch gut erinnern. Coetzee's Art zu schreiben und die erzählte Geschichte haben mich beeindruckt.
An andere Bücher des Autor erinnere ich mich auch. In ihnen habe ich aber nur zum Teil gelesen, weil die Geschichten mir weniger interessierten.
Geschichten und Romane von Stanislaw Lem lese ich auch hin und wieder. Allerdings sind sie mir teilweise zu "gruslig", so daß ich sie teileweise immer nur lesen kann, wenn ich seelisch sehr stark bin, weil sich sonst meine Ängste verstärken.
Dann habe ich einige Bücher, die mich nach einigen Seiten ausgefüllt haben, so daß ich gesättigt bin. Zu ihnen greife ich immer wieder.
Dazu gehören zur Zeit Bücher von William Gaddis.
Gaddis ist ein großer Künstler. Bei seinem Büchern frage ich mich immer wieder: Wie hat er das nur hinbekommen?
Aber auch Thomas Mann ist ein großer Künstler. Von ihm hab ich letztens in einer noch in Fraktur gedruckten Ausgabe der "Königliche Hoheit" gelesen: die Zeit Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts ist so bildlich in mir aufgestiegen, daß ich sie greifen konnte!
Ich habe auch schon Bücher zerrissen, weil sie mich bzw. die Art, wie ihr Autor in mein Leben dringen wollte, wütend gemacht haben.
Namen nenne ich keine. Nur soviel: eine gute Geschichte reicht nicht, damit ich ein Buch und dessen Autor mag - sie muß auch außergewöhnlich dargeboten werden.
Wenn ich fühle, auch ich könnte es so schreiben, bin ich nicht interessiert. Dann lege ich das Buch nur beiseite.
Wenn ich aber durch eine gute Geschichte angelockt, sozusagen "genötigt" werde, mich einem Buch zu überantworten, dann aber nur "dumme Sprüche in schlechter Sprache" lese, kann mein Zorn zerreißend werden.
Auf der anderen Seite bekommen meine Lieblingsbücher ein Platz in meiner Herzen und legen auch nachts an meiner Seite.
Und bevor ich die Augen schließe, um in mein geheimnisvolles Reich zu gleiten, verabschiede ich mich von ihnen.
Dazu gehören auch einige Ausgaben der Bibel.